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Wärmepumpen im Altbaubestand – ist das möglich und sinnvoll?

© energiekonsens

„Ja, das geht. Diese Heiztechnik ist mittlerweile auch bei der energetischen Sanierung von Altbauten immer eine gute Idee“, erklärte Dr. Marek Miara vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE auf dem 14. Bremerhavener Bauforum. Der Wissenschaftler forscht seit Jahren zu diesem Thema und gab Einblick in die Ergebnisse.

Zur kostenlosen Informationsveranstaltung eingeladen hatte die Klimastadt AG Bauen und Sanieren. Dem von der gemeinnützigen Klimaschutzagentur energiekonsens organisierten Online-Austausch mit Fachvorträgen folgten über 100 Teilnehmende. Sie erfuhren: Wärmepumpen gelten als Energiesystem der Zukunft, sind politisch gewollt und sollen sich zur Heiztechnologie Nummer 1 entwickeln. „Für den Klimaschutz und den Ausstieg aus Gas und Öl sieht die Regierung vor, dass bereits ab 2024 jede neue Heizung mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben wird. Bis 2030 plant man mit bis zu 6 Millionen Wärmepumpen in Gebäuden; 2050 sollen es 14 Millionen sein. Jetzt wird es also ernst“, berichtete Marek Miara. Der Ausbau des Marktanteils in dieser Geschwindigkeit sei eine Herausforderung. Für erwartete Probleme wie zum Beispiel Lieferengpässe von Geräten und Komponenten, zu wenig Handwerksbetrieben, die auf die Installation der Anlagen spezialisiert sind, oder fehlende Gesetze und Regeln für Genehmigungsverfahren ließen sich aber Lösungen finden, gab er sich zuversichtlich. Hauseigentümer*innen interessiere aus seiner Erfahrung primär eine ganz andere Frage: „Nämlich ob sie mit einer Wärmepumpe die ‚Bude‘ warm bekommen und das auch bei Minusgraden an kalten Wintertagen.“

Portraitbild Dr. Marek Miara vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE
© energiekonsens
Dr. Marek Miara vom Fraunhofer ISE hat zu Wärmepumpen im Neu- und Altbau geforscht

Effizient auch ohne Fußbodenheizung

Mit einem Expertenteam hat Marek Miara mehrere Jahre lang genau das untersucht. Mehr als 300 Neu- sowie Altimmobilien, in denen Anlagen die Wärme aus der Umgebungsluft oder dem Erdreich für das Heizen und die Warmwasseraufbereitung nutzbar machen, wurden auf den Prüfstand gestellt. Die Auswertung ihrer Leistung ergab: Selbst in unzureichend sanierten, mehr als 20 Jahre alten Gebäuden, können diese effizient und damit wirtschaftlich laufen. „Denn obwohl hier die Vorlauftemperatur der Heizung in der Regel hoch ist, lässt diese sich durch den Einbau neuer Heizkörper absenken“, erläuterte der Referent. Nicht immer sei ein solcher Austausch überhaupt notwendig, ergänzt er und widerlegt damit auch eine Falschannahme: „Immer noch denken einige, dass eine Wärmepumpe ausschließlich mit einer Fußbodenheizung kombinierbar ist. Das stimmt nicht.“ Überdies könnten entsprechende Systeme vielfältig eingesetzt werden – in Ein- oder Mehrfamilienhäusern mit unterschiedlichen Zuschnitten und Größen, aber auch gewerblichen Immobilien. „Aus ökologischer Sicht sind Wärmepumpen unschlagbar, gerade in Hinblick auf den Ausbau von grünem Strom. Und auch ökonomisch gesehen werden sie durch steigende Energiepreise immer attraktiver“, fasste Marek Miara zusammen.

Möglichkeit zum Nachlesen

Luft-Wärmepume vor Eigenheim
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Im Rahmen der Forschungsarbeit sei ihm bewusst geworden, wie groß die Auswahl und Zahl der technischen Möglichkeiten am Markt für die Mehrfamilienhäuser ist. Für eine bessere Übersichtlichkeit und eine erste Orientierung hat er deshalb mit seinem Team eine Klassifizierung vorgenommen und 13 verschiedene Lösungen unter der Internetadresse heatpumpingtechnologies.org zusammengestellt. Die Beschreibungen aller vom ISE überprüften Gebäude ist auf der Webseite des ISE einzusehen. Schon bald sollen Beispiele für Mehrfamilienhäuser aus Bremerhaven hinzukommen. Heinfried Becker, Leiter des energiekonsens-Büros in der Seestadt und Sprecher der Klimastadt AG, hatte im Vorfeld etliche Immobilien von Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen vor Ort vorgestellt, die mit Wärmepumpen betrieben werden. Marek Miara: „Interessante Anlagen in unterschiedlichen Varianten, die wir aufnehmen wollen, damit die nachhaltige Technik noch schneller zur Anwendung kommt!“